Beschaffungsleitlinien für die Kirchengemeinde Bühl

Die Beschaffungsleitlinie der Kirchengemeinde Bühl ist ein gutes Beispiel dafür, dass es sich lohnt, den Beschaffenden konkrete Unterstützung bei den täglichen Einkaufsentscheidungen in der Gemeinde zu geben.

Was wurde durchgeführt?

Eine Beschaffungsleitlinie soll alle Einkaufenden der Kirchengemeinde verpflichten, bei der Beschaffung von Gütern und Dienstleistungen ökologische, faire und soziale Kriterien zu berücksichtigen. Als Hilfestellung wird eine Datensammlung mit Kriterien für die Beschaffung und Bezugsquellen bereitgestellt.

Motivation und Ziel

Die Kirchengemeinde Bühl ist schon lange Grüner Gockel-zertifiziert. Das Umweltteam der Gemeinde hat das Thema „Beschaffung“ als indirekten Umweltaspekt identifiziert und wollte diesen Punkt nun mit Hilfe einer Beschaffungsordnung angehen. Dadurch sollte die stark dezentral „organisierte“ Beschaffung, die bisher ohne Absprachen innerhalb der Kirchengemeinde erfolgte, umweltfreundlicher und sozialverträglicher ausgerichtet und zugleich ein wenig zentralisiert werden. Diese Maßnahme stand ganz im Einklang mit den Umweltleitlinien der Gemeinde, die ebenfalls zu einem umwelt- und sozialverträglichen Handeln verpflichtete.  

Das Hauptziel der Beschaffungsordnung ist es, bei den vielen (meist ehrenamtlichen) Einkäufern in der Kirchengemeinde ein Bewusstsein für umweltfreundlichere und sozialverträglichere Alternativen zu schaffen – und zwar ohne, dass sich diese dadurch gegängelt fühlen und ohne, dass die Mehrkosten das Budget sprengen.

Effekte

Allgemein wurde erwartet, dass die Kosten für den Einkauf durch die Beschaffungsordnung steigen würden. Deshalb gab es im Vorfeld durchaus Ablehnung und Proteste auf Seiten der Einkäufer.

Tatsächlich konnte der Einkauf im Rahmen der Beschaffungsordnung und ihrer Erstellung stärker zentralisiert werden. Ein überraschender Effekt sind die positiven Rückmeldungen, die wir über Vorschläge und Alternativen für bisher genutzte Produkte bekommen haben!

Die möglichen Mehrausgaben sind insgesamt schwierig zu beziffern, da es vorher keine genauen Daten gab. Höhere Kosten haben wir auf jeden Fall beim Kaffee (40% mehr; wird jetzt im Weltladen bezogen, vorher Fairtrade vom Discounter) und Milch (80% mehr). Das hört sich erstmal viel an, es hilft allerdings, die Kosten aufs Jahr hochzurechnen – bei der Milch geht es hier nur um etwa 20€ zusätzlich – pro Jahr.

Ist die Idee übertragbar auf den privaten Bereich?

Da wir die Beschaffungsleitlinie, die Kriterien und die Bezugsquellen für alle zugänglich veröffentlicht haben, können natürlich insbesondere die Kriterien und die Bezugsquellen von allen Menschen genutzt werden. So entsteht hoffentlich auch ein Effekt im privaten Bereich.

Tipps für Nachahmer

Machen Sie es den Einkaufenden so einfach wie möglich, indem Sie konkrete Produktalternativen empfehlen. Noch besser lässt sich die Zielgruppe einbinden, wenn zudem auch die Fragen und Sorgen abgefragt und berücksichtigt und die Produktalternativen vorgestellt werden.

Unterstützung durch das Projekt Öko-fair-soziale Beschaffung

Sie möchten auch eine Beschaffungsordnung erstellen oder das Thema in Ihrer Gemeinde kommunizieren? Die Servicestelle Öko-fair-soziale Beschaffung berät Sie gerne im Vorfeld und unterstützt Sie auch gerne bei der konkreten Erarbeitung durch Vorlagen oder im Rahmen eines kleinen Workshops. Nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf! Beispiele von Beschaffungsordnungen finden Sie auch auf unserer Homepage www.wir-kaufen-anders.de in der Rubrik „Anders handeln“.

Erfolgsgeschichte Kirchengemeinde Bühl