Kleidung


Nicht erst seit dem Einsturz des Rana Plazas in Bangladesch im Jahr 2013 oder der Detox-Kampagne von Greenpeace wissen wir, dass es um den Umweltschutz und die Arbeitsbedingungen in der Textilbranche schlecht bestellt ist. Arbeiterinnen verdienen Hungerlöhne, arbeiten oft zwölf Stunden am Tag, die Sicherheitsbedingungen sind unterirdisch und Kinderarbeit ist weit verbreitet. Mit dem Umweltschutz sieht es nicht besser aus. Farben und Chemikalien gelangen oft ungeklärt in die Flüsse, für den Baumwollanbau werden in ohnehin schon trockenen Regionen riesige Mengen Wasser verbraucht. Und diese Zustände sind eher die Regel als die Ausnahme. Dabei können wir uns alle denken, dass ein T-Shirt für drei Euro oder eine Hose für 30 Euro weder umweltfreundlich noch sozialverträglich produziert worden sein kann. Doch zugleich fühlen sich viele Konsumemten machtlos. Schließlich möchte man für Kleidung auch kein Vermögen bezahlen - und sagt der Preis überhaupt etwas über die Arbeitsbedingungen aus?

Auch im kirchlichen Kontext spielen Bekleidung und Textilien eine Rolle. Häufig werdem bedruckte Textilien, insbesondere für Kinder- und Jugendgruppen, angefertigt, der Pfarrer oder die Pfarrerin benötigt einen Talar und die Mitarbeiterinnnen und Mitarbeiter der Sozialstationen brauchen ebenfalls Arbeitskleidung.

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Kleidung für Kinder- und Jugengruppen

 

Paramente und Gewänder

Berufsbekleidung für Sozialstationen

Öko-fair-soziale Kleidung privat kaufen


Auch im Privaten möchten wir Sie mit diesem Artikel dazu motivieren, Neues zu probieren und Sie dabei zugleich mit möglichst vielen praktischen Tipps unterstützen. Wichtig dabei: Überfordern Sie sich nicht. Gehen Sie kleine Schritte. Suchen Sie sich den ein oder anderen Tipp zum Ausprobieren aus, der Ihnen besonders zusagt. Erzählen Sie auch anderen davon. Viel Spaß beim Entdecken in den nachfolgenden Infoboxen!

Wissenswertes


Was darf's denn kosten?

Muss nachhaltige Mode teuer sein? Laut der Kampagne für Saubere Kleidung beträgt der Lohnanteil einer Näherin an einer 100€ teuren Jeans gerade einmal 1%, den Großteil streicht der Handel ein. Die Spanne für Verbesserungen für Mensch und Umwelt bei gleich bleibenden Preisen wäre also enorm. Da die Nachfrage nach öko-fairer Kleidung jedoch noch gering ist und die Produkte meist in geringer Stückzahl produziert werden, kosten nachhaltige Alternativen etwa genauso viel wie die konventionelle Markenkleidung.

Kleidung als Wegwerfware

Rund 70 Kleidungsstücke kaufen wir im Schnitt pro Jahr. Kleidungsstücke werden immer billiger und verlocken so zum Spontankauf. Auch die Modezyklen der großen Ketten werden immer kürzer, inzwischen sind acht bis zwölf Kollektionen pro Jahr keine Seltenheit mehr. Vor diesem Hintergrund wirkt es geradezu paradox, dass viele Menschen nachhaltige Mode als zu teuer empfinden. Überlegen Sie daher gut, ob ein neues Kleidungsstück wirklich Sinn macht.

 

Kleidertauschparties

Die großen Mengen ungenutzter Kleidungsstücke bergen ein enormes Potenzial. Denn was dem einen nicht mehr gefällt, kann für den anderen ja durchaus noch ein wahrer Schatz sein. Deshalb erfreuen sich die sogenannten Kleidertauschparties immer größerer Beliebtheit. Menschen bringen alte Kleidungsstücke mit und tauschen untereinander. Eine von Ihnen in der Gemeinde organisierte Kleidertauschparty ist auch eine gute Möglichkeit, Jugendliche grundsätzlich für das Thema zu sensibilisieren und ins Gespräch zu kommen. 

Secondhand

Am nachhaltigsten ist die Kleidung, die nicht mehr produziert werden muss. Lange Zeit hatten Secondhand-Shops ein eher staubiges Image. Inzwischen haben sie sich jedoch an vielen Orten zu Fundgruben für schicke, kreative und zugleich nachhaltige Kleidung entwickelt, die den Vergleich mit Modeboutiquen nicht zu scheuen brauchen. Auch viele Gemeinden bieten nach wie vor gute und günstige Gebrauchtkleidung in "Kirchenflohmärkten" an. Schauen Sie doch mal vorbei oder werden Sie selbst aktiv.

Online Kleidung kaufen oder leihen

Vielleicht setzen Sie lieber auf's Internet oder haben keine Kleidertauschparties oder Secondhand-Shops in Ihrer Nähe gefunden? Auch hier gibt es Möglichkeiten, an gebrauchte Kleidung zu kommen. Kleiderkreisel zum Beispiel ist eine Plattform, über die man gebrauchte Kleidung verkaufen oder kaufen kann. Der Anbieter Kilenda hingegen setzt auf das Mieten von Kinderkleidung. Es kann sowohl neue als auch gebrauchte Kleidung so lange wie Bedarf besteht gemietet werden. Falls die Kleidung kaputt gehen oder beschädigt werden sollte ist sie versichert.

Voller Chemikalien

Um Kleidung zu färben oder möglichst schmutz- und wasserabweisend zu machen sind jede Menge teilweise gesundheitsgefährdender Chemikalien nötig. Während der Großteil der Stoffe bereits in den Herkunftsländern in die Gewässer gelangt, sind auch hier noch Rückstände zu finden. Beim Schwitzen nehmen wir Sie über unsere Haut auf, im Laufe der Zeit waschen Sie sich heraus. Da viele dieser Stoffe auch von unseren Klärwerken nicht herausgefiltert werden können, landen sie schließlich auch in europäischen Gewässern.

Wo bekomme ich nachhaltige Mode?

Neue Kleidung, die nachhaltig produziert worden ist, bekommen Sie in immer mehr Städten in kleinen Geschäften. Eine Übersicht für Karlsruhe finden Sie unten bei den Links. Oft bleibt einem jedoch leider (noch) nichts anderes übrig, als auf das Internet auszuweichen. Die Übersicht von Utopia unten bei den Links zeigt Ihnen, wo Sie fündig werden.

Verleihfeuerlöscher und Kinderarbeit

Die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie sind berüchtigt. Kinderarbeit, 12 Stunden-Schichten, Toilettenverbote und ständige Überwachung kommen häufig vor. Es soll sogar Firmen geben, die sich auf den Verleih von Feuerlöschern für Inspektionen spezialisiert haben. Gleichzeitig liegen die Löhne in der Textilindustrie meist noch über dem, was die Menschen sonst verdienen könnten. Mehr zu den Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie können Sie in diesem Beitrag des Deutschlandfunks lesen.

Durstige Baumwolle

Baumwolle ist atmungsaktiv, relativ reißfest und angenehm auf der Haut. Gleichzeitig gibt es bei kaum einem anderen Produkt so viele gute Gründe, auf fairen Handel und Produkte aus biologischem Anbau zu setzen. Die Baumwollpflanze ist sehr durstig, verträgt jedoch gleichzeitig keine starken Niederschläge. Dadurch wird sie oft in ohnehin schon sehr wasserarmen Regionen angebaut. Da die Pflanze sehr anfällig für Schädlinge werden massenhaft Pestizide eingesetzt.

Was bedeutet eigentlich kbA?

Steht auf einem Kleidungsstück "öko", "eco" oder "green" hat das erstmal nichts zu bedeuten, denn für diese Begriffe gibt es keine gesetzlichen Vorgaben. Anders bei der Abkürzung "kbA". Diese steht für "kontrolliert biologischer Anbau" und garantiert den Anbau der Baumwolle nach den Regeln des ökologischen Landbaus. "kbT" hingegen steht für "kontrolliert biologische Tierhaltung" und ist zum Beispiel beim Kauf von Textilien aus Seide oder Schurwolle relevant. Weitere Informationen siehe unten.

Öko-fair-sozial erkennen Sie an folgenden Siegeln:


IVN Best (Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft e.V.)

Das Siegel IVN Best ist ein sehr umfangreiches und strenges Siegel im Textilbereich mit einem Schwerpunkt auf Umwelt- und Ressourcenschutz. Es umfasst die Lieferkette vom Anbau der Naturfasern über die Verarbeitung bis hin zur Nutzung. Das Siegel beinhaltet auch grundsätzliche Anforderungen an die Arbeitsbedingungen in der Lieferkette.

Unser Fazit:

Sehr empfehlenswert


GOTS (Global Organic Textile Standard)

Das GOTS-Siegel ist ebenfalls ein sehr umfangreiches und strenges Siegel im Textilbereich mit einem Schwerpunkt auf Umwelt- und Ressourcenschutz. Es umfasst die Lieferkette vom Anbau der Naturfasern über die Verarbeitung bis hin zur Nutzung. Das Siegel beinhaltet auch grundsätzliche Anforderungen an die Arbeitsbedingungen in der Lieferkette. In Mischtextilien (Synthetik und Naturfasern) müssen mindestens 70% der Fasern natürlichen Urspungs sein und zugleich aus kontrolliert-biologischem Anbau stammen.

Unser Fazit:

Sehr empfehlenswert


Fair Wear

Das Fear Wear-Siegel kontrolliert am zuverlässigsten von allen Siegeln die Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten, bei Naturtextilien allerdings nicht den Anbau der Rohstoffe. Es ist ein reines Sozialsiegel und beinhaltet keine Informationen über die Umweltfreundlichkeit des Anbaus der Rohstoffe oder in der Produktion.

Unser Fazit:

Sehr empfehlenswert


Fairtrade

Im Textilbereich kennzeichnet das Fairtrade-Siegel Produkte aus Baumwolle, bei denen der Rohstoffanbau der Produkte gemäß den Kriterien des fairen Handels erfolgten. Im Vergleich zum Fair Wear-Siegel enthält es auch zahlreiche Anforderungen an den Umweltschutz, ist jedoch deutlich schwächer bei der Überprüfung der Arbeitsbedingungen in den verarbeitenden Betrieben.

Unser Fazit:

Sehr empfehlenswert


Cotton made in Africa

"Cotton made in Africa" ist ein von der Otto Group angestoßener Ansatz, der durch soziale und ökologische Kriterien sowie Schulungen die Bedingungen im kleinbäuerlichen Baumwollanbau in Afrika verbessert. In den Schulungen werden unter anderem effiziente und umweltschonende Anbaumethoden sowie grundlegende ökonomische Kenntnisse vermittelt. Zu den ökologischen Kriterien gehören zum Beispiel das Verbot künstlicher Bewässerung oder des Einsatzes gentechnisch veränderter Baumwolle.

Unser Fazit:

Empfehlenswert


Bluesign Product

Das Bluesign-Siegel ist vor allem ein Umweltsiegel und umfasst strenge Kriterien für den Fertigungs- und den Verarbeitungsprozess. Berücksichtigt werden die fünf Handlungsfelder Konsumentenschutz, Abwasser, Abluft, Arbeitssicherheit und Ressourcenproduktivität. Im Sozialbereich stellt das Siegel einige grundlegende Anforderungen. Da das Bluesign-Siegel im Gegensatz zu den meisten anderen Siegeln im Textilbereich auch für Produkte aus Synthetikfasern vergeben wird, findet es sich vor allem auf Outdoor-Bekleidung.

Unser Fazit:

Sehr empfehlenswert


kbA

Für Kleidung aus "kontrolliert-biologischem Anbau" (kbA) existiert kein Siegel, Sie erkennen die Produkte meist an der Abkürzung "kbA". Die Aussage bezieht sich auf den Ausgangsstoff bei Kleidung aus Naturfasern, in der Regel also auf den Anbau der Baumwolle. Bei Produkten mit diesem Schriftzug werden die Pflanzen nach den Regeln des biologischen Anbaus bewirtschaftet. Das heißt: auf den Einsatz von synthetischen Düngemitteln und Pestiziden wird verzichtet, stattdessen kommen natürliche Düngemittel wie Mist oder Mulch zum Einsatz, die Pflanzen werden in Mischkultur angebaut und per Hand geerntet, das Einbringen von gentechnisch veränderten Stoffen ist verboten. Bei Produkten mit dem Siegel "GOTS" stammen mindestens 70% der Fasern aus kontrolliert-biologischem Anbau.

Unser Fazit:

Empfehlenswert


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kbT

Analog zum Schriftzug "kbA" erkennen Sie Kleidung aus "kontrolliert-biologischer Tierhaltung" am Schriftzug "kbT". Dieser sagt aus, dass die für die Rohstoffgewinnung gehaltenen Tiere (in der Regel Schafe für Schurwolle und Seidenraupen für Seide) nach den Regeln der biologischen Tierhaltung gehalten wurden. Die artgerechte Haltung der Tiere verbietet zum Beispiel den Einsatz von Pestiziden und Insektiziden (auf Böden und den Tieren), das Kupieren von Schwänzen oder das für Schafe sehr schmerzhafte Mulesing.

Unser Fazit:

Empfehlenswert


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